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5. Februar 2012


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Schlossfestspiele Heidelberg

"Ich glaube, daß die Ungeduld, mit der man seinem Ziele zueilt, die Klippe ist, an der gerade oft die besten Menschen scheitern." - Hölderlin

Mit Auto, per Seilbahn oder zu Fuss nähern sich Menschenscharen. Insbesondere nach der körperlichen Betätigung der Besteigung des Berges bei angenehm-sommerlichen Temperaturen, die man ungeduldig vornimmt, lässt der Blick aufs Innere des Schlosses die Vorfreude aufsteigen. Das Theater beginnt mit dem Eintritt ins Schloss. Man begibt sich in eine andere Zeit. Schauspieler mischen sich unter das Publikum. Viele Stücke werden gleichzeitig an verschiedenen Orten aufgeführt. Während man sich einem Stück hingibt, tritt die Größe des Schlosses immer wieder durch Rufe von anderen Bühnen hervor. Insgeheim mag sich da einer denken: "Schauspieler, werdet lauter. Zeigt, dass ihr da seid." Ein zeitgleicher Wettbewerb der Aufführungen entsteht.

Im Hintergrund der Bühnen sind Schlossmauern und der freie Himmel, der allmählich dunkler wird. Die Natur wird zu einer Herausforderung. Sie wird aber auch zu einer Selbstverständlichkeit. Und so kommt es zu ungewollten Situationen, die eine solche Aufführung einzigartig machen. So trommeln die Schauspieler und eine Heidelberger Kirche beginnt zu läuten.

Gewollt dagegen sind die Verknüpfungen der Umgebung mit dem Stück. Unter freien Himmel werden die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde eingesetzt. Und auch der Klang der Dinge, der sich in einen hörbaren und einen spürbaren unterteilt, werden gekonnt benutzt, um dem ganzen eine besondere Atmosphäre zukommen zu lassen.

In Hölderlins Hyperion ging dies zum Teil zu Lasten der schauspielerischen Komponente. Eine wahrliche Bilderflut -drei Charaktere stehen auf der Burgmauer, hinter ihnen der weite Himmel, dem sie ihre Mäntel entgegen werfen- lässt den Zuschauer erfreuen. Und auch die Sprache Hölderlins drängt sich tief in den Zuschauer. Hinzu kommen kurze Auflockerungen des Stückes, die das Publikum schmunzeln lassen. Matthias Brenner hat gekonnt den Hyperion mit der biographischen Komponente Hölderlins verknüpft.

Auch die Verknüpfung zwischen Ort und Inhalt des Hyperion ist gelungen. Denn hoch oben auf dem Schloss stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang alles Seienden, den Idealen und Werten der Menschen fast unumgänglich. Da wird das Stück zum Zünder. Und möglicherweise verschafft der Blick auf die abendlich beleuchtete Stadt Heidelbergs nach dem Stück eine gewisse innere Ruhe, mit der man sich den Fragen widmen kann, die das Theater aufgeworfen hat.... oder aber man blickt auf die gewaltige Natur:

"O selige Natur! Ich weiß nicht, wie mir geschiehet, wenn ich mein Auge erhebe vor deiner Schöne, aber alle Lust des Himmels ist in den Tränen, die ich weine vor dir, der Geliebte vor der Geliebten." Hölderlin im Hyperion

Ali Aslan Gümüsay  |  17.07.2005

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