SchülerInnen der Helene-Lange Schule machen sich im Mai 2007 auf den Weg nach Südafrika, um dort ihre Partnerschule, die "Westville High School", in Port Elizabeth zu besuchen. Der Austausch findet im Rahmen einer freiwilligen "Südafrika AG" statt. Die Arbeitsgemeinschaft mit bis zu 20 Schülern versucht regelmäßig durch Aktionen wie Kinovorführungen oder Waffelverkäufen, Beiträge für Südafrika beizusteuern. Das Highlight ist eine Reise nach Port Elizabeth, die jährlich mit Schülern aus der "Südafrika AG" stattfindet.
Wir haben mit Taylan-Tahsin Albayrak, einem Schüler der elften Klasse der Helene-Lange Schule, gesprochen.
Er engagiert sich seit einem Jahr in der AG und hat uns über seine Vorstellungen und die Entscheidung, nach Südafrika zu fahren, erzählt.
Sisol.de:
Hallo Taylan. Danke, dass du dir Zeit genommen hast, mir und den Lesern von Sisol.de ein wenig über euer Projekt zu erzählen.
Du nimmst an deiner Schule an der Südafrika AG teil, welche unter anderem auch einen Austausch nach Port Elizabeth in Südafrika organisiert.
Kannst du ein wenig mehr über das Projekt erzählen?
Taylan:
Also die Südafrika-AG existiert schon seit einigen Jahren an meiner Schule.
Wir versuchen mehr über das Land herauszufinden und treffen uns deshalb regelmäßig in der Schule, bei Teilnehmern oder zum Beispiel im Kino.
Das Projekt an sich beinhaltet einen drei-monatigen und einen drei-wöchigen Austausch.
Hierbei repräsentieren wir nicht nur unsere Schule, sondern helfen auch im Missionvale Centre (Anm. d. R.: mehr zum Missionvale Centre) und im Kinder-Aidszentrum aus.
Es ist kein Urlaub für uns, sondern eher eine Erfahrung vom anderen Afrika.
Port Elizabeth liegt zwar am Meer und besitzt einen der schönsten Strände, die es gibt, dort leben aber auch hunderttausende in armen bis menschen-unwürdigen Verhältnissen zum Beispiel in den sogenannten Townships.
Unser Anliegen ist also zu helfen und zu Südafrika kennen zu lernen.
Dabei steht uns die Westville High School in Port Elizabeth bei Seite und unterstützt uns, wo sie kann.
Wir schicken jährlich einige Schüler nach P.E., inklusive ein wenig Geld im Koffer. Und eben auf dieses Geld sind wir angewiesen.
Wir veranstalten regelmäßig Kino-Abende, wo jeder herzlich eingeladen ist und automatisch Projekte in Afrika unterstützt.
Sisol.de:
Du wirst auch an dieser Reise teilnehmen.
War das für dich sofort klar oder eher eine spontane Entscheidung?
Taylan:
Das war für mich sofort klar. Ich denke, jeder muss mit sich selbst vereinbaren, ob er wirklich so eine lange Zeit, weg von zu Hause will.
Aber eben nicht dieser Aspekt vom "einfach mal weg sein" hat mich motiviert, sondern die Vorstellung, Leuten zu helfen, die es wirklich nötig haben!
Ich gebe zu, ich lebe auch gerne im kleinen Luxus, trage Markenklamotten und mein iPod ist kurz da vor, in meinem Ohr festzuwachsen - jedoch, wir leben in einem völlig anderen und unvergleichbaren Standard.
Wenn ich daran denke, dass ich so viel gutes in dieser kurzen Zeit tun kann, freue ich mich! Denn was gibt es schöneres, als kleine leuchtende Kinderaugen, Kinder die lachen und ein wenig Lebensfreude erleben - bevor sie leider an ihrer Aids-Krankheit sterben werden.
Ein paar Stunden mit den Kindern verbringen, ihnen zeigen, dass das Leben - ob kurz, ob lang - einen Sinn hat und ihnen für einen kurzen Zeitraum Lebensfreude bieten - DAS ist mein Ziel.
Aber ebenso Erwachsene. Ich habe keine Berührungsängste und auch wenn ich weiß, dass ich im Aidszentrum von Aidskranken umgeben bin, so stelle ich fest:
Es sind auch nur Menschen.Und Aids überträgt sich bis Dato nicht über die Luft, also brauche ich eigentlich keine Angst haben.
Und wenn wirklich etwas vorfallen sollte, so weiß ich, dass ich etwas Gutes getan habe - diesem Beispiel sollten viele folgen.
Sisol.de:
Du hast die Zustände in Südafrika angesprochen.
Werdet ihr in der Schule auf die Unterschiede und mögliche Konfrontationen, vor allem auch mit AIDS-erkrankten Kindern, wie du eben angesprochen hast, vorbereitet?
Taylan:
Ja werden wir. Das A und O solch einer Begegnung ist eine mentale Vorbereitung.
Wir wurden drauf hingewiesen, dass es freiwillig ist, denn man ist einer großen psychischen Belastung ausgesetzt.
Einer Schülerin ist leider vor zwei Jahren ein Kind unter den Armen weggestorben.
Ein krasses Beispiel und natürlich gibt es in dem Aidszentrum auch Kinder die nur noch Haut und Knochen sind, offene Wunden haben und von Fliegen umgeben sind, aber ebenso auch Kinder die völlig normal wirken und Gott sei Dank diesem Aidsstadium noch nicht hilflos ausgesetzt sind.
Aber wie soll man jemanden vorbereiten. Erfahrungen muss man sammeln. Die Vorstellung ist weitaus kleiner als die Realität es darstellen wird.
Sisol.de:
Man kennt die Bilder aus dem Fernsehen. Haut und Knochen, todkranke Kinder, wie du sagtest.
Werdet ihr ausschließlich ein armes Südafrika kennenlernen und mit diesen Erfahrungen nach Deutschland zurückkehren oder stehen daneben auch noch weitere Punkte auf dem Programm?
Drei Monate sind schließlich eine relativ lange Zeit.
Taylan:
Hmm, so lang sind drei Monate gar nicht. Auf dem Plan steht natürlich helfen, helfen und nochmals helfen.
Nebenbei sind wir ja auch schulpflichtig und werden dort jeden Tag zur Schule gehen - sogar in Schuluniform.
Aber wir wollen ja trotzdem auch ein wenig das Land kennenlernen und so steht unter Anderem Kapstadt, eine Route von P.E. nach Johannesburg und eine einwöchige Übernachtung auf einer Farm in der Wüste auf dem Plan.
Desweiteren reizt mich eine Safari sehr - wenn schon, denn schon!
Sisol.de:
Wenn ihr mal nicht auf Reise seid, werdet ihr dann bei einer Gastfamilie unterkommen?
Taylan:
Ja. In einer einheimischen Familie. Okay, es ist von vornerein klar, dass wir uns auf kleine Wohnungen und auf Mehrpersonenhaushalte einstellen müssen, aber das nehmen wir gerne in Kauf.
Jeder bekommt eine Familie zugeteilt und landet hoffentlich bei einer, die ihn oder sie gut behandelt.
Uns wurde gesagt, wir müssten uns viel gefallen lassen und dem Vater gehorchen - andere Länder, andere Sitten.
Auf eine Begegnung der besonderen Art will ich gar nicht denken: Riesen-Kakerlaken.
Wenn mir eine begegnet... ich will gar nicht dran denken!
Aber was das Essen angeht oder Duschgewohnheiten - das lernen wir alles dort kennen.
Unterstützen tun wir die Familien mit jeweils 100 Euro für die drei Monate, denn wir wissen, wir sind eine Last und so ist sicherlich jeder zufrieden.
Sisol.de:
Ihr werdet also verschiedene Seiten von Afrika kennenlernen.
Findet der Austausch regelmäßig statt und können sich auch Schüler von anderen Schulen an diesem Projekt beteiligen, vielleicht sogar an dem Austausch selbst einmal teilnehmen?
Taylan:
Beteiligen kann man sich auf verschiedene Weisen. Die Teilnahme an einem Austausch wird sicherlich schwierig, da die Plätze natürlich sehr begrenzt sind. Ich habe bereits die Aktionen erwähnt, die durch unsere AG organisiert werden.
Ich lade jeden herzlich ein, sich einmal eine Kinovorführung anzusehen. Die erlöse dienen dem guten Zweck und die Filme sind sehr interessant.
Sisol.de:
Ein gutes Schlusswort. Ich wünsche euch viel Erfolg bei eurem Projekt und eine gute Reise. Eine letzte Frage noch: Wie lange dauert der Flug?
Taylan:
Hmm, das weiß ich ehrlich gesagt nicht ganz genau.
Um die 20 Stunden werden wir sicher fliegen müssen. Das kommt auf die genaue Route an.
Sisol.de:
Vielen Dank für das Interview!
Wir werden weiter über das Projekt berichten.
Daniel Lüdeking | 03.12.2006