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5. Februar 2012


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Unterricht am tragbaren Computer? - Kosten noch problematisch


Frankfurt/Main (dpa) - Tastatur und Bildschirm haben Tafeln und Bücher aus den Klassenzimmern verdrängt: Die Schüler lernen an ihren eigenen Computern, zu Hause tippen sie die Schulaufgaben in die tragbaren Rechner. Diese Vision von der Schule der Zukunft ist in einigen hessischen Klassen schon Wirklichkeit. Nach Ansicht von Fachleuten hilft der fächerübergreifender Unterricht am Laptop gegen die von der internationalen Schulstudie PISA aufgedeckten Mängel des deutschen Bildungssystems. Problematisch sind aber noch die Kosten, manchmal die Technik. Zudem gibt es Bedenken bei einigen Lehrern.

Das Arbeiten am Laptop entspreche modernen Vorstellungen von Lernprozessen, sagt der Leiter einer Gesamtschule im südhessischen Weiterstadt, Walter Schnitzspan. «Dass alle zur selben Zeit auf Seite 16 oben im Buch sind, ist eigentlich veraltetes Lernen.» Schnitzspans Albrecht-Dürer-Schule ist eine von drei Schulen in Hessen, die bei dem Pilotprojekt der Initiative Schule@Zukunft Erfahrungen mit Laptopklassen gesammelt haben. Die Computer förderten die Kreativität und das entdeckende Lernen der Schüler, sagt der Staatssekretär im Kultusministerium Joachim Jacobi (CDU). Er lobt zudem die Kommunikations- und Präsentationsmöglichkeiten der Geräte.

«Der Laptop ist ein pädagogisches Arbeitswerkzeug mit ungeheuerem Nutzen», schwärmt der Leiter der Adolf-Reichwein-Schule, Norbert Herlein. «Er ist Kugelschreiber, Notizbuch, Aktenordner, Nachschlagewerk, Taschenrechner, Fremdwörterbuch und Multi-Media-Vermittlungsstelle.» Die Notebooks ermöglichten sowohl Teamarbeit als auch individuelle Förderung. «Die Schüler können ihren Lehrern etwa per E-Mail eine Frage stellen, ohne sich vor der Klasse outen zu müssen.»

Mit dem im 2. Halbjahr des vergangenen Schuljahrs gestarteten Pilotprojekt der Medieninitiative Schule@Zukunft ist Hessen beim Einsatz von Laptops unter den Bundesländern vorne mit dabei - zusammen mit Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Teilnehmer der hessischen Initiative sind das Kultusministerium, der Landkreistag, der Städtetag und die Vereinigung der Unternehmerverbände. Ziel ist es, «Multimediales Lernen als fächerübergreifendes Prinzip an allen Schulen zu etablieren».

Die rund 5000 bayerischen Schulen haben schon mehr als 30 Laptop-Klassen eingerichtet. In Nordrhein-Westfalen gibt es neben solchen Notebook-Klassen eine Reihe von Initiativen, die sich mit didaktischen Fragen des Lernens am Laptop und der Finanzierung der Geräte befassen. Mit Aktionen unter dem Motto «1000 mal 1000 Notebooks im Schulranzen» wird in den Ländern versucht, die Kosten für einen tragbaren Computer auf 1000 Euro zu begrenzen. Auch in Hessen verhandelt die Medieninitiative mit Computerfirmen, Sponsoren und Banken über Rabatte und günstige Leasing- oder Mietmodelle.

«Der Unterricht mit Laptops muss sozialverträglicher sein. Wir können nicht von allen Eltern erwarten, dass sie 1000 Euro aufbringen», betont Schulleiter Herlein. Um alle Klassen der gewerblich-beruflichen Schule in Marburg mit ihren 1800 Schülern auf Laptops umzustellen, seien nach finnischem Vorbild Schulassistenten notwendig: Die technische Konfiguration (Anordnung) müsse ständig von Fachleuten überprüft werden. «Die Lehrer opfern dafür wahnsinnig viel Zeit», sagt Herlein. Deshalb ist das Projekt im neuen Schuljahr trotz des enormen Interesses der Schüler vor allem auf zwei Klassen für angehende Informationstechnische Assistenten beschränkt.

Nicht alle Lehrer sind aber von dem Projekt begeistert. «Manche haben Angst, dass sie der Laptop ersetzt, oder dass sie die Technik überrollt», sagt Herlein. Die Pädagogen befürchten auch, dass beim ständigen Umgang mit Tastatur und Bildschirm das Lesen, Rechnen, Schreiben und die Bücher zu kurz kommen. «Die Schüler sitzen aber nicht nur vor der Glotze. Der Unterricht wird mit anderen Elementen ergänzt», versucht der Schulleiter solche Bedenken zu zerstreuen. Mit den Computern verändere sich allerdings die Rolle der Pädagogen: «Der Lehrer ist nicht mehr der absolute Wissensvermittler, sondern Moderator und Teamer.»

(Internet:  Schule@Zukunft: http://www.schule-zukunft-hessen.de/, Bundesarbeitskreis Notebook-Klassen: http://www.lernen-mit-notebooks.de/; e-nitiative.nrw: http://e-initiative.nrw.de/; n-21-Linkseite: http://www.n-21.de/material/notebook/body_notebook.html )


flori@team.sisol.deKommentar: Ich persönlich bin nicht ganz so überzeugt vom Konzept des Notebooks als Allheilmittel für die Unterrichtsgestaltung. Sicher hätte ich während meiner Schulzeit gerne einen gehabt, aber eigentlich nur um ihn zu haben - der Unterrichtsaspekt hat dabei sicher nicht im Vordergrund gestanden.
Mittlerweile habe ich auch meinen eigenen Laptop, aber ich muss leider zugeben, dass ich ihn für mein Studium viel weiniger nutze, als ich vielleicht vorher gedacht habe. Ich finde es zum Beispiel auch völlig unpraktisch Texte auf einem Laptop zu verfassen - an eine Mitschrift ist in Vorlesungen sowieso nicht zu Denken, da sich einfach grafische Elemente nicht so schnell (und ohne Zusatzhardware) auf den Bildschirm übertragen lassen.
Für mich ist der Laptop eine Alternative zum PC zu Hause, aber immerhin eine 3-KG-Alternative (mit einer Akkuleistung von knapp 2,5 Stunden), die man dann immer mit sich herumschleppen muss - als Schüler soll man das Gerät doch schließlich auch nicht nur im Unterricht, sondern auch für Hausaufgaben o.Ä. nutzen können. Als Notizblock taugt er nicht wirklich, als Nachschlagewerk sicher - auch wenn man es nicht immer brauchen würde.

Vielleicht habe ich auch nur nicht die praktischen Erfahrungen im "Lernen AM Laptop", aber für meinen Fall (und ich bin dem Laptopgebrauch an sich ja nicht abgeneigt) halte ich den Unterrichtseinsatz für eine kostspielige Angelegenheit mit vielen Schwierigkeiten und wenigen Vorteilen. Wenn ich das jetzt hier in aller Kürze etwas einseitig betrachtet haben sollte, dann würde ich mich über ergänzende Details per Mail freuen.


Florian Diekmann - flori@team.sisol.de

 |  29.08.2003


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5 Kommentare
Coole sache
26. August 2005
08:40 Uhr


Coole Sache!

Sören
29. April 2004
17:17 Uhr

Eigene Erfahrung...
Nunja, natürlich arbeiten wir in der Schule nicht nun auch ausschließlich und immer mit Notebooks, aber sie sind bereits zu einem elementaren Teil unseres Mathe-LKs geworden. Wir schreiben sogar unsere Klausuren (zum Teil) daran und ich kann eigentlich nur Positives davon berichten. (Mal abgesehen von den kleineren, zeitweiligen technischen Problemchen... ;))
Auch unsere Hausaufgaben machen wir zu Teil am (eigenen) PC und mailen sie dann in die Schule.
flori
31. August 2003
15:54 Uhr

Besten Dank
Ich möchte mich mal eben für den Hinweis auf diese Studie bedanken. Trotzallem bin ich immernoch etwas skeptisch: Dass die Kompetenz im Umgang mit Computern steigt, ist sicher nachzuvollziehen - aber wo der Einfluss im Bezug auf die Verfassung von Aufsätzen besteht, ist mir nicht ganz ersichtlich. Vielleicht gibt es ja banale Zusammenhänge, aber irgendwie erscheint mir der Bezug zum Lernen am Laptop nicht ganz klar ...

Wie dem auch sein - ich habe noch mal einen Link rausgekramt, der sich auch mit den Ergebnissen einer amerikanischen Studie befasst. Das Fazit dort ist recht ähnlich, was ich mir aber auch noch nicht erklären kann ;)

gruß,
flori

http://home.t-online.de/home/jkerper/InfoSchul/laptop/laptop.htm
testschueler
31. August 2003
13:55 Uhr

testschueler@web.de
Erste wissenschaftliche Ergebnisse zum Projekt „ Lernen mit Notebooks“ an der Regionalen Schule Alsenz liegen vor. Der Medienexperte Prof. Dr. Stefan Aufenanger stellte im November 2002 seinen ersten Zwischenbericht vor und bestätigt den Erfolg des Projekts. ....


Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitforschung, die seit dem Schuljahr 2001/2002 das Notebook- Projekt evaluiert, wurden mehrere Befragungen, Unterrichtmitschnitte und Interviews durchgeführt und wissenschaftlich ausgewertet.


Zusammengefasst hat die Untersuchung folgendes festgestellt:

Schüler:
Unterricht mit Notebooks macht den Schülern mehr Spaß.

Das Selbstbewusstsein der Schüler wächst- sie trauen sich was zu.

Die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen, wächst

Die Schüler sind stolz auf das was sie gelernt haben; bei der Präsentation ihrer Ergebnisse ernten sie Lob und Anerkennung

Die Schüler wünschen sich den Computer in weiteren Unterrichtsfächern

Sie schätzen ihre Kenntnisse besonders hoch ein beim Umgang mit „Word“, „Power Point“ , „Internetsuche“ und „Lernprogrammen“.

Die Schüler weisen ihren Lehrern eine hohe Kompetenz im Umgang mit dem Computer zu.

Sie geben an, viel gelernt zu haben


Eltern:
Fast 70% der Eltern geben an, ihr Kind wegen der Möglichkeit des Lernens mit Notebooks an der Schule angemeldet zu haben

Über 75% der Eltern sehen ihre Erwartungen an den „Unterricht mit Notebooks“ erfüllt.
1 Antwort
flori meint:
Besten Dank auch ... meine Meinung samt neuem Link habe ich aber nochmal neu gepostet, damit ...weiter
testschueler
31. August 2003
13:53 Uhr

Schüler am Laptop lernen besser
Gütersloh (dpa) - Schüler mit Laptop lernen einer neuen Studie zufolge besser als auf konventionelle Weise. Mit Hilfe des Computers seien die Kinder selbstständiger mit dem Lernstoff umgegangen und hätten mehr Eigeninitiative entwickelt, stellte die Untersuchung der Gütersloher Bertelsmann Stiftung fest. Knapp 400 Schüler des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums in Gütersloh hatten sich drei Jahre lang an dem Pilotprojekt beteiligt.

Mit der Studie liege zum ersten Mal in Deutschland eine systematische Auswertung von Notebook- gestütztem Unterricht über mehrere Jahre vor, sagte Projektleiter Detlev Schnoor am Montag in Gütersloh. Seit Februar 1999 bekam in jedem Schuljahr jeder Schüler in jeweils drei siebten Klassen ein Laptop, während die Parallelklassen ohne mobilen Computer arbeiteten. Begleitet wurde das Projekt vom Center for Media Research der Freien Universität Berlin im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Wissenschaftler um Prof. Ludwig Issing untersuchten die Auswirkungen der Laptops auf die Lernkultur und Lernleistung sowie auf den Erwerb von Computerkompetenz.

Die Wissenschaftler stellten nicht nur allgemein eine gestiegene Kompetenz im Umgang mit Computern fest. Darüber hinaus verringerte sich der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen im Hinblick auf Computerwissen und verschwand bisweilen sogar ganz. Dagegen seien die Jungen in den Nicht-Laptop-Klassen in allen Bereichen des Computerwissens deutlich überlegen gewesen, betonte Ingrid Hamm, Geschäftsleitungsmitglied der Bertelsmann Stiftung.
Nach Einschätzung der Lehrer beschäftigten sich die Laptop-Schüler häufiger intensiv mit Texten und Informationen. Insgesamt hätten sie auffallend bessere Ergebnisse im Fach Deutsch und in Mathematik erzielt, betonte Schnoor. Lehrer und Schüler hätten übereinstimmend berichtet, das Lernen sei interessanter und anschaulicher geworden.

25.11.2002 dpa


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