Jetzt wird zum Gegenschlag ausgeholt: Nachdem zum Sommeranfang wieder die Diskussion über Kleiderordnungen an deutschen Schulen aufkommt - über irgendwas muss man ja sich ja aufregen, wenn das Wetter so gut ist - kriegen nach den Schülern nun auch die Lehrer ihr Fett weg.
Frankfurt/Main (dpa) - Zerrissene Jeans, fehlende Knöpfe an den Hemden oder vergilbte Turnschuhe: «Lehrer sind für Schüler keine Vorbilder, wenn sie im Unterricht Schlabberpullis, ausgewaschene Jeans oder Ökoschlappen tragen». Eltern, Lehrerverbände und Modewissenschaftler fordern eine deutlichere Trennung zwischen Dienst- und Freizeitkleidung. Partei für die Lehrer ergreifen aber die Schüler.
«Einige Lehrer kleiden sich so schlecht, dass sie dafür in manch einer Firma entlassen würden», sagt Renate Hendricks, Vorsitzende des Bundeselternrates. Anzug und Krawatte verdeutlichten Achtung vor der Schule als Arbeitsplatz. Die Gewerkschaft Erziehung und Bildung hält dagegen Mathematik- oder
Geschichtsunterricht mit Schlips und Kragen für übertrieben. Trotzdem sollten die Lehrer auf gute Kleidung achten: «So erweisen die Lehrer den Schülern Respekt», sagt Gewerkschaftssprecher Ulf Rödde. Es gebe zwar nur wenige Lehrer, die sich schlecht kleideten. Aber: «Sie prägen das Bild.»
Kleider machen Leute - und Lehrer? Gute Kleidung symbolisiert Kompetenz, glaubt der Geschäftsführer des Deutschen Modeinstituts in München, Christian Glas. Wünschenswert sei deshalb eine Stoffhose und ein gutes Hemd. Schlabberpullis wirkten antiautoritär, Lehrer würden so nicht als Respektsperson wahrgenommen. Die Schulen sollten deshalb das Gespräch mit leger gekleideten Lehrern suchen.
Wer von den Schülern angemessene Kleidung erwarte, müsse mit gutem Vorbild vorangehen, sagt Schulleiter Hans-Peter Kirsten-Schmidt. Deshalb dürften auch Lehrerinnen keinesfalls aufreizende Kleidung tragen, meint der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus.
Schwere Zeiten für behaarte Männerbeine: Sie sollen versteckt werden, Shorts im
Schrank bleiben. «Ich würde einen Lehrer sofort auf seine Shorts ansprechen», sagt Kraus, der gleichzeitig Schulleiter eines Gymnasiums ist. Auch die Professorin für Modegeschichte und Modetheorie aus Pforzheim bei München, Ingrid Loschek, ist gegen kurze Lehrer-Hosen: «Eine kurze Hose symbolisiert Freizeit.» Um respektiert zu werden, dürften sich Lehrer auch keinesfalls so jugendlich wie ihre Schüler kleiden.
Dagegen finden viele Schüler die Kleiderdiskussion einfach nur überflüssig. «In unserem Bildungssystem gibt es dringendere Probleme als die Kleidung von Lehrern oder Schüler», meint Marc Schmieder vom Vorstand der Bundesschülervertretung. Für die Schüler sei nur wichtig, ob ein Lehrer einen guten Unterricht macht, meint auch Vorstands-Kollegin Silke Ritter. Schüler und Lehrer sollten Freiheit bei ihrer Kleiderwahl haben.
Ich persönlich lege das mal unter der Kategorie "Kurioses & andere Späße" ab - werden wir also in den nächsten Jahren keine "Jesus-Latschen" oder Shorts mehr zu Gesicht bekommen? Die Diskussion um Klamotten in der Schule und die Tatsache, dass man Schüler nach Hause schickt, weil angeblich die Lehrer abgelenkt werden, ist doch genauso überflüssig wie eine Neuauflage von "Deutschland sucht den Superstar" - im Sommer wird eben nicht nur das Ozonloch größer ...
Aber wenn die Lehrer in Anzug und Krawatte schwitzen, gibt es vielleicht öfter mal Hitzefrei ;)
Florian Diekmann / dpa | 22.06.2003