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5. Februar 2012


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Vereinte Nationen - Nationen vereint?

In der Antike gab es noch keine Vereinten Nationen. Trotzdem haben die Menschen sich schon damals Regeln zur Erhaltung des Friedens geschaffen. Im antiken Griechenland gab es eine Art zeitlich befristete Friedensordnung die bestimmte, dass während der Olympischen Spiele jede Kampfhandlung untersagt war und nur die Partei, die für die Zeit Frieden schloss, ungehinderten Zutritt zu den Kampfstätten in Olympia hatte.

Heute ist bei kriegerischen Auseinandersetzungen die gesamte Welt durch Globalisierung, modernste Technik und Vernetzungen schnell verwundbar. Kleine Zwiste können rasch in unkontrollierte Flächenbrände ausarten. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges erarbeiteten der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill die 1941 veröffentlichte Atlantik Charta über eine Neuordnung des Weltfriedens und der Zusammenarbeit. Am 26. 6.1945 unterzeichneten Vertreter der 50 Staaten, die auf alliierter Seite am Weltkrieg beteiligt waren, in San Francisco die Charta (Satzung) der UNO, die am 24.10.1945 in Kraft trat. Seither wird dieses Datum jedes Jahr als 'Tag der Vereinten Nationen' gefeiert.

Nur 50 Mitglieder hatte die UN bei ihrer Gründung 1945 und beschäftigte in ihrem Sekretariat 1500 Menschen. Heute sind es 191 Mitgliedstaaten und allein das Sekretariat hat etwa 8.900 Angestellte, hinzu kommen die UNO-Organisationen weltweit wie die Weltbank, Internationaler Währungsfond, Unesco, WHO und viele andere.

Sekretariat? Dahinter verbirgt sich das Verwaltungsorgan der Weltorganisation mit der Zentrale in New York am Ufer des East River mit drei Außenstellen in Genf, Wien und Nairobi. Es war mehr Zufall, dass sich die UN in New York ansiedelte, denn John D. Rockefeller jun. spendete das 73 000 qm große Grundstück, auf dem 1949 - 1951 das UNO-Hauptquartier erbaut wurde.

Die Leitung des Sekretariats unterliegt dem Generalsekretär, der auf Vorschlag des Sicherheitsrats von der Generalversammlung für fünf Jahre gewählt wird. Zur Zeit ist es Kofi Annan. Er begann 1962 als Praktikant bei den VN und blieb. 1997 trat er sein Amt als 7. Generalsekretär an. Zu seinen Prioritäten zählen eine Stärkung der VN insbesondere in den ursprünglichen Kernbereichen wie der Entwicklungshilfe, den Menschenrechten und dem Friedenserhalt. 2001 erhielt Kofi Annan zusammen mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis.

Nach dem 11. September 2001 rückten die VN verstärkt ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit. Insbesondere der Weltsicherheitsrat, der verbindliche Resolutionen für alle Mitgliedsländer verabschieden kann, beschäftigte sich mit Maßnahmen gegen Afghanistan, Nordkorea, Irak und Iran, die u.a. dafür verantwortlich gemacht wurden, terroristische Aktivitäten zu fördern. Der Weltsicherheitsrat besteht aus 15 Nationen, von denen die fünf permanenten Mitglieder China, England, Frankreich, Russland und die USA Vetorechte haben.

Das Hauptziel der Vereinten Nationen ist die Wahrung des Friedens und der internationalen Sicherheit.

Theoretisch sollte der Weltsicherheitsrat über Krieg und Frieden entscheiden. Praktisch tat dieses im Falle des Irakkrieges die nach dem Kalten Krieg einzig verbliebene Supermacht: die USA. Viel Kritik erntete die VN. Nicht nur sei ihre Struktur veraltet -so entspreche die Verteilung der permanenten Sitze im Weltsicherheitsrat an die Sieger im 2. Weltkrieg nicht mehr den aktuellen Begebenheiten- sie sei auch nicht ausgewogen, da z.B. kein Entwicklungsland einen ständigen Sitz hat. Und auch praktisch konnte selbst der Weltsicherheitsrat den Irakkrieg nicht verhindern.

Der Anfang des 21. Jahrhundert ist daher voll von Reformvorschlägen über die Struktur der VN. Es findet aber auch ein Überdenken der Rolle der VN statt. Bietet sie nur eine Plattform und einen Rahmen für den Dialog von Ländern mit nationalen Interessen oder kann sie als Institution internationale Politik zum Guten beeinflussen? Eng verknüpft mit diesen Überlegungen, der Suche nach einer Identität, ist auch die Frage nach der Zukunft der VN. Sicher ist, dass die VN Aufmerksamkeit braucht. Je mehr sie von jeden einzelnen wahrgenommen wird, desto mehr gewichtet ihr Wort.

Aber nicht nur die Erwachsenen in New York bedienen die Schalthebel der Weltpolitik, sondern auch Jugendliche per Simulation in Berlin, Oldenburg, Bonn und auch New York auf sogenannten Model United Nations. Schülerinnen, Schüler, Studentinnen und Studenten schlüpfen in die Rolle von Delegierten und vertreten die Interessen eines Landes in einzelnen Komitees und in der Generalversammlung, in der normalerweise alle 191 Mitglieder der VN vertreten sind. So kann es vorkommen, dass ein Amerikaner die Interessen Cubas verteidigt und lautstark für den Kommunismus wirbt oder ein Deutscher die etwas andere Interpretation der Menschenrechte als Botschafter von China erklärt. Dem Delegierten von Mauritius wird schnell klar, dass man nicht so sehr auf ihn hört wie auf die größeren Länder. Und die Delegierten der Länder im Weltsicherheitsrat, die kein Vetorecht haben, beklagen diese Ungerechtigkeit - ganz zu schweigen von den 175 Ländern, die gar nicht erst vertreten sind.

Ali: Ich durfte an einer Model United Nations Konferenz in New York teilnehmen und als Botschafter die Interessen Indonesiens vertreten. Nach intensiven Vorbereitung u.a. mit Besuchen im Auswärtigen Amt und in der indonesischen Botschaft in Berlin sowie der ständigen Vertretung in New York, begab ich mich mit einer 23köpfigen Delegation nach New York, wo wir teils im Hilton Hotel teils im VN-Hauptgebäude zusammen mit über 3000 Studentinnen und Studenten aus der ganzen Welt die VN simulierten und nach getaner Arbeit den Souvenirshop der VN unsicher machten.

Julia: Guten Einblick in VN-Arbeit gibt auch ein Praktikum - vielleicht beim United Nations Development Programm (UNDP), einem Entwicklungsprogramm. Mit meiner Bewerbung hatte es geklappt. Drei Monate war ich in der Hauptstadt der Mongolei, in Ulaanbaatar und habe an einem Fünfjahresplan-Entwurf zum Thema Familienplanung und Bevölkerungsentwicklung mitgearbeitet. Faszinierend, die Mittlerrolle der Schamanen zwischen VN und den Nomaden-Stämmen zu beobachten. Mit Jeeps fuhren wir in die Steppe und suchten Familien in den Jurten auf. Dabei habe ich vor Ort erlebt, wie wertvoll die Arbeit der VN ist und wie dankbar die Menschen sind.

Die VN dringt bis in die tiefsten Steppen vor. Was sie braucht, ist mehr Anerkennung, mehr Aufmerksamkeit. Ebenso dringend sind Reformen hin zu mehr Effizienz und gerechterer Repräsentanz der Länder. Aber eins steht fest - was wir bei unseren gewaltigen nationalen und internationalen Problemen brauchen, ist die VN, diese einzigartige Organisation - schon allein deshalb, weil es zu ihr keine Alternative gibt.

Julia H. Holtz & Ali Aslan Gümüsay  |  06.12.2005

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