Der Karikaturenstreit um das Bildnis des Propheten erregte die Öffentlichkeit. Die eigentliche Identität des Propheten dagegen wurde dabei kaum thematisiert. Sie bleibt uns verborgen. Dabei hilft es doch das Fremde zu erkunden, um sich selbst zu verstehen.
Ali Özgür Özdil, der Leiter des Islamischen Wissenschafts- und Bildungsinstitut Hamburg hat im Rahmen einer Veranstaltung der IGMG und der
Stadt Oldenburg am 5. April sich mit der Identität des Propheten Muhammed beschäftigt. Mit einem Blick in die Vergangenheit unter Berücksichtigung der Gegenwart konnte für die Zukunft gelernt werden.
Herr Özdil sprach hierbei nicht für den Propheten, sondern ließ diesen für sich selbst durch Beispiele sprechen. Als Abu Jahl den Propheten einmal als hässlich bezeichnete, stimmte er diesem zu. Als darauf Abu Bakr ihn als schön bezeichnete, stimmte er diesem auch zu. Der Prophet erklärte, er sei wie ein von gottgefertigter Spiegel. Man sehe sich selbst.
Vom Propheten als Ehemann, der im Haushalt half, ging es dann schnell zu Themen, die immer wieder in den Medien auftauchen. Herr Özdil sprach hierbei von einer doppelten Aufgabe. Einerseits kennen oder verkennen viele Nichtmuslime den Propheten, andererseits ist die Lage bei Muslimen häufig nicht viel besser. Frage man junge muslimische Jugendliche, was Dschihad auf Deutsch heiße, schreien sie meist im Chor: Heiliger Krieg. Dass das nicht von den Imamen kommt, erklärt sich allein schon aus der Tatsache, dass die oft kein deutsch können. Auf die Frage, wo sie das denn her haben, heißt es dann "aus dem Fernsehen." Dschihad dagegen hieße Hingabe und wenn Herr Özdil, wie er sagt, sich "hier die Kehle durstig rede, dann ist das Dschihad."
Das Problem hierbei sei, dass das Fremde nicht für sich, sondern von der eigenen Position aus betrachtet würde. Der Dschihad wird also im Lichte der Kreuzzüge gelesen und das Kopftuch versteht sich mit Blick auf die eigene Vergangenheit. Herr Özdil schildert das Erlebnis einer deutschen Muslima an einer Bushaltestelle. Wie könne sie sich so unterdrücken lassen, fragt da eine Frau. Von wem entgegnet die Muslima. Na, von ihrem Mann, war die Antwort. Überrascht antwortet die Muslima, sie sei doch gar nicht verheiratet und ohnehin seien ihre Verwandten Nichtmuslime. Die andere Frau entgegnet, dass man doch das Kopftuch trage, weil man "unter die Haube" gekommen sei. Sie projiziert ihre eigene kulturelle Vergangenheit damit auf eine andere. Ähnliches wird getan, wenn die Moschee mit einem Flugzeug verglichen werde, wo die vorne betenden scheinbar in der First Class sitzen, die Frauen aber nur Economy Class Plätze innehaben. Die Moschee sei halt kein Flugzeug.
Doch auch Muslima haben ein Problem, das Kopftuch einzuordnen. Wenn Herr Özdil Muslima um eine Liste der wichtigsten Pflichten für sie fragt, dann wird auf den Zetteln am häufigsten das Kopftuch genannt, danach der Glaube an den einen Gott.
Herr Özdil steht vor einer schier unmöglichen Aufgabe, nämlich das Leben des Propheten Muslimen wie auch Nichtmuslimen Nahe zu bringen. Der Integrations- und Ausländerbeauftragte der Stadt Oldenburg, Herr Vahlenkamp, wie auch Herr Altuntas, Vorsitzender der IGMG Gemeinde in Oldenburg waren sehr erfreut über den Vortrag. "Mehr wird kommen", so Herr Altuntas. Mühsam ernährt sich bekanntlich das Eichhörnchen.
Ali Aslan Gümüsay | 09.04.2007