Es gibt ja wenige Newsmeldungen, die mich heutzutage noch stutzen lassen, aber diese gehört eindeutig dazu. Ich habe ja gehört, dass die US-Militär ein Kartenspiel mit den am meisten gesuchten Irakern ausgegeben hat, aber dies scheint ja nun eine Eigendynamik zu entwickeln und so populär zu sein, dass man es nun "versoftet" hat. Aber lest erst einmal selbst - und besonders, was das neue deutsche Jugenschutzgesetz damit zu tun hat.
Grants Pass - Ein besonderer PR-Schachzug ist den USA wohl mit der Ausgabe eines Kartenspiels an die alliierten Soldaten am Golf, dessen Karten die Bilder der meistgesuchten Iraker tragen, gelungen. Ab sofort ist dieses Kartenset für Windows-User in aller Welt als kostenlose Software erhältlich.
Iraqi Most Wanted Solitaire (http://www.iraqimostwantedsolitaire.com) wird von Silver Creek Entertainment zum Download angeboten (4,28 MB). Anstatt wochenlang auf die Papierkarten warten zu müssen, könne man so binnen Minuten die gleichen Bilder sehen, die auch die US-Soldaten erhalten haben, wirbt Silver Creek. Überhaupt sei das Programm ein "frischer, neue Weg" Amerikas meistgespieltes Computergame "Solitaire" zu spielen.
Da auf der Site keine Kennzeichnung nach dem seit 1. April in Deutschland geltenden Jugendschutzgesetz (http://www.artikel5.de/gesetze/juschg.html) zu finden ist, könnte das Angebot von Silver Creek einen Verstoß gegen deutsches Recht darstellen. Auch die Speicherung oder Installation der Software auf Datenträgern oder Computern, die Jugendlichen Zugänglich sind, könnte strafbar sein. Als Strafe ist im deutschen JuSchG neben Geldstrafen bis zu einem Jahr Gefängnis vorgesehen.
Also da treffen zwei aktuelle Themen aufeinander, die mir in letzter Zeit unangenehm aufgefallen sind.
Dieses Kartenspiel mit Mitgliedern der ehemaligen irakischen Führung, das wohl an die im Irak stationierten Soldaten ausgegeben wurde, sollte meiner Meinung nach auch in diesen Kreisen verbleiben und ist sicher auch keine Sache, die irgendwie einen Kultstatus erreichen sollte. Diese Newsmeldung und Berge von
Spammails in der letzten Zeit, die mir ein solches "echtes" Kartenspiel angepriesen haben, belehren mich leider eines besseren. In der Zwischenzeit scheint dies eine eigentümliche Eigendynamik zu entwickeln und wenn es schon den Weg in die Arbeitspausen der amerikanschen Bevölkerung gefunden hat, frage ich mich doch, ob es demnächst vielleicht auch Quartettspiele mit anderen Diktatoren auf dem Markt geben wird.
Ich finde es zumindest fragwürdig, ob man eine solche Thematik, die ja von der Militärführung schon in besagtem Kartenspiel zu eigenen Zwecken umgestrickt wurde, in einer solchen Weise verharmlosen sollte. Sicher ist die Idee hinter dieser Aktion nachvollziehbar, aber man sollte vielleicht doch darüber nachdenken, was man in seiner Freizeit eigentlich anstellt, und ob das alles wirklich "nur" ein Spiel ist.
Die zweite Sache wird ja im letzten Satz kurz angeschnitten: Zum 1.April ist ja das neue Jugendschutzgesetz in Kraft getreten, dass nach Meinung vieler Beteiligter aber äußerst wenig durchdacht ist. Ich kann an dieser Stelle nicht im Detail auf alle Einzelheiten dieses Gesetzes eingehen - dort möge sich dann auch vielleicht jeder selbst an geeigneter Stelle ein Bild machen, aber exemplarisch am angesprochenen Punkt möchte ich doch Kritik äußern.
Sicher ist es sinnvoll, dass im Sinne eines Jugend"schutzes" eine Pflicht besteht, Software und Spiele auf eine potenzielle Gefährdung untersucht werden sollten. Früher wurde diese Aufgabe von der BPjS übernommen, die nicht pauschal, sondern nur auf Anfrage aktiv wurde. Dies wurde ja mit der neuen Gesetzgebung abgeschafft. Nun müssen alle Spiele von einer Kommission geprüft und nach einem festen Kriterienkatalog klassifiziert werden. Geschieht dies nicht, so darf dieses Produkt automatisch nicht mehr an Minderjährige verkauft werden - d.h. es gilt halt "ab 18", wenn es nicht getestet wurde!
Was das jetzt für die Vielzahl von Free- und Sharewarespielen bedeutet, ist eigentlich klar - zumindest in den Augen der Juristen: Diese dürfen nicht mehr für Jugendliche frei verfügbar sein! Wie das jetzt im Internet realisierbar sein soll und ob jetzt demnächst laufend Leute belangt werden, die auf ihren Homepages auf nicht "klassifizierte" - also "ab 18"-Spiele - verlinken, weiß ich auch nicht. Logisch wäre es; realistisch nicht!
Wenn ihr eine Meinung dazu habt, dann schreibt doch einfach in den Kommentarbereich - oder wenn ihr noch andere Infos habt - ich werde das Thema sicher nochmal anschneiden.
Florian Diekmann / pte | 05.05.2003