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5. Februar 2012


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Kommunikation und Sprache - Modern Talking

Um es klar zu sagen - dazu mußte ich mir einen sanften Tritt geben. Ein Brief an meine Oma in Dortmund war fällig - sie hat aber keinen Computer. Ich also hingesetzt und mit der Hand zwei Seiten zu Papier gebracht: Eine Hymne auf mein cooles neues Handy - inzwischen mein zweites Ich - und ihr für ihre Großzügigkeit gedankt. Und leise angeklopft, ob sie nicht auch mal an diesen Neukram denke ...?

Es hat sogar etwas Spaß gemacht das Wieder-mit-der-Hand-schreiben. Aber ehrlich, Freunde, da seid Ihr sicherlich meiner Meinung - Gekrakel mit der Hand, Briefumschlag, Briefmarken und dann ab damit zur Post - Schneckenpost, das war gestern. Heute ist für jeden möglichen Kontakt der Computer unser Macher. Für's Studium und um uns über die unterschiedlichsten Themen zu informieren, aber auch zum Anleiern und Festigen von sozialen Kontakten.

Natürlich ist einiges dabei nur von kurzer Haltbarkeit. Doch mit dem Internet wird alles blitzschnell auf den Punkt gebracht. Rasant und oft unter Umgehung der noch vor ein paar Jahren obligatorischen Höflichkeitsfloskeln. Ist leider so. Und wenn nötig, auch wieder fallen gelassen.

Eigentlich eher Zierstücke in der Chippendale-Vitrine als Nachschlagewerke sind für mich inzwischen der Große Brockhaus oder die Encyclopaedica, denn ich nutze lieber intensiv die elektronischen Informationsressourcen. Google und Wikipedia sei Dank.

Begriffe wie Surfen, Chatten, Simsen, Faxen können nur noch meine Oma erschrecken. Alles ist im Fluß. Vor noch nicht einmal zehn Jahren beschränkten sich Kontakte mit Menschen im Ausland auf Ferien- oder Geschäftsreisen. Brieffreundschaften? Das war 'was für pubertierende Teenager. Heute braucht's nur einen Mausklick und wir sind mit der ganzen Welt verbunden.

Dank E-Mail, Chat und SMS schreiben wir heute mehr als jemals zuvor, allerdings mit viel mehr Fehlern. Aber verlottert ist unsere Schreibkultur deswegen nicht. Im Gegenteil, sie ist höchst lebendig durch die unendlich vielen technischen Möglichkeiten. Neue Wortbildungen entstehen. Mailen, rüberfaxen und downgeloadet sagt man heute ganz selbstverständlich.

Rechtschreibprobleme? Die gab es schon immer. Nur fielen sie früher nicht so auf, weil es die Technik noch nicht gab, mit der sich die Menschen regelmäßig outeten.

Allerdings ist bei einigen die Hemmschwelle beim Schreiben durch die moderne Technik gesunken. Eben was hingeschmiert, nicht kontrolliert, für 'ne Emotion noch 'nen Smiley drauf, die Taste gedrückt und ab damit - Hauptsache es wird verstanden.

Ähnlich locker ist es beim Handy. Das erste Mobiltelefon mit 33 Zentimeter Länge und einem Kilogramm Gewicht wurde 1983 vorgestellt, die erste SMS (Short Message Service) gab es 1992. Inzwischen werden allein in Deutschland jährlich 5 Milliarden SMS verschickt. Wir sind damit Europas Spitzenreiter bei den elektronischen Kurzmitteilungen.

Sich kurz fassen ist dabei angesagt, denn nur eine technisch begrenzte Wörterzahl von 160 Zeichen ist möglich. Kein Problem. Fast alles läßt sich mit SMS-Abkürzungen sagen. Dafür haben die Jugendlichen eine eigene Handy-Sprache mit tausenden von Zeichen entwickelt. Die Kommunikation untereinander ist hochkreativ und flachsig: bmvl-biege mich vor Lachen, braduhi-brauchst du Hilfe? (Die anschnallpflichtigen Messages bleiben lieber außen vor).

Nicht so lustig ist, wenn am Monatsende die Handy-Rechnung ins Astronomische gestiegen ist. Denn Kostenfaktor Eins bei Jugendlichen ist das Handy. In den 3. und 4. Klassen der Hauptschulen gibt es praktisch keine Schülerin oder Schüler mehr ohne das kleine Ding. 20 - 50 Euro blättern sie monatlich dafür hin, oft auch mehr.

Ich bin da eher ein Verweigerer. Denn farbige Logos, kultige Klingeltöne, SMS, Spiele runterladen, Fotografieren, ins Internet gehen - ach ja, auch Telefonieren, gehen ins Geld. Nicht aufgepaßt, und schon sitzt man in der Schuldenfalle.

Aber das müssen wir nun wirklich nicht noch vertiefen. Hey, Moment mal, da hör ich doch mein Handy. Ich glaub' das nicht. Tatsächlich! Meine Oma hat gesimst. Echt cool.

Julia H. Holtz  |  25.02.2007

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