Was ist wahr...
Die Wissenschaft befindet sich in einer kontinuierlichen Evolution. Der Mensch wird optimiert. Er wird immun geimpft, vor der Geburt können Kinder mit schweren Krankheiten abgetrieben werden. Allgemein besteht die
Möglichkeit nicht Gewünschtes vor der Geburt und nach der Geburt in einem von dem Menschen gesteckten
Rahmen zu verändern bzw. zu beeinflussen. So findet eine nach heutigen Maßstäben ethisch gerechtfertigte Selektion statt. Kann der Mensch in der Zukunft aus dem Genom physische und/oder psychische Eigenschaften ableiten, so wird Gentechnologie ebenfalls zur Selektion benutzt. Wer diesen Prozess für nicht möglich weil unmoralisch hält und glaubt, Menschen würden sich sträuben, der mag nur insofern Recht haben, als sich einige auflehnen. Angenommen, einige wenige wenden trotzdem die Gentechnologie zur Selektion an und erhalten überdurchschnittliche Kinder: Durch dieses höhere Qualifikation erlangen die Kinder Führungspositionen. Entweder werden diese Führungspersonen selbst für die Verbreitung der Gentechnologie sorgen oder aber der Neid auf neue Führungspersönlichkeiten wird so groß, dass die Gesellschaft selber zur Gentechnologie greift.
Es scheint ja auch nichts gegen eine Optimierung der Seh- oder Hörfähigkeit, der
Leistungsfähigkeit oder sonstiger Fertigkeiten einzuwenden zu sein. Und selbst wenn sich die Mehrheit dagegen entscheidet, wird eine Minderheit sie zwingen, da diese stetig an Macht gewinnt, weil unser kapitalistisches System den Stärkeren Recht bzw. Macht gibt.
Was ist nun gut? Was soll besser sein? Wenn ein allgemeiner Kanon vorhanden ist, nach dem gesucht wird, und rein biologisch eine Produktion von Menschen nach von ihnen selbst gesetzten Maßstäben möglich ist, so deutet vieles darauf hin, dass in Zukunft alle Menschen diesen Kanon erfüllen und damit gleich sind. Alle Menschen sind gleich. Ist das gut?
Wenn es allen gut geht, da ja alle optimiert sind, werden sie gute Leistungen vollbringen und wahrscheinlich kaum Mangel an Primärbedürfnissen haben. So scheint ein Ziel der heutigen Menschheit erreicht: alle Menschen leben glücklich und zufrieden.
Die Frage ist nach obigen Erläuterungen nicht, wie weit die Moral geht, sondern wie weit die Wissenschaft gehen kann. Es ist nicht die Frage nach dem Dürfen sondern nach dem Können. Das erschüttert, da uns das Lenkrad genommen wird. Wir können nicht umsteuern, es sei denn, alle Menschen steuerten um. Eine kollektive Abneigung wird es aber nie geben. Damit gibt es kein Zurück. Was vor uns liegt, ist ungewiss.
Wenn dem Menschen Gefühle genommen werden könnten, dann gäbe es keine Trauer, aber auch kein Glücksgefühl. Genau da beginnt die Schwierigkeit der Wissenschaft, sie kann uns zwar durch Manipulation in Zukunft Gefühle nehmen, doch kann sie auch unterteilen? Wenn ja, so ist das Ergebnis der Zukunft auf der
Straße schon längst zu sehen. Wenn jeder Mensch glücklich gemacht werden kann, indem eine Glücksgefühl Droge im Körper eingepflanzt wird, warum nicht?! Weil wir unseren Rationalismus verlieren? Wer sagt uns, dass wir überhaupt rational denken? Sind die Sinne wie auch das Gehirn nicht sowieso beschränkt? Woher wissen wir, dass es nicht so ist. Denn unsere Augen sehen auch kein UV-Licht, unser Gehirn versteht Wesentliches nicht und handelt darum falsch. Damit wären wir wieder bei den Griechen. "Ich weiß, dass ich nichts weiß." Wenn ich alles hinterfragen kann und muss, es also kein Kriterium für Besser oder Schlechter gibt, warum dann der Welt nicht ihren Lauf lassen? -Vielleicht, weil der Mensch sich nicht eingestehen kann, dass er keine, überhaupt keine Macht hat, im Allgemeinen wie über sich.
Alles seinen Lauf lassen, scheint wohl der falsche Weg zu sein. Doch wer kann dieses beweisen außer mit subjektiver bzw. kollektiv-subjektiver Argumentation. Die Menschheit steht vor einem Problem. Sie muss entscheiden. Doch mit welchen Mitteln? Die Menschheit ist Richter und kennt das Gesetz nicht!
Ali Aslan Gümüsay | 30.11.2002