Brüssel - Die Europäische Union, gegründet 1958 von sechs, erweitert auf 15 Staaten bis 1995, soll 2004 auf 25 Länder anwachsen. Die Erweiterung um die baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland sowie die Slowakei, Ungarn, Slowenien, Tschechien, Malta, Polen und Zypern sei "das historische Vorhaben der Einigung unseres Kontinents mit dem Ziel der Sicherstellung von Frieden, Stabilität und Demokratie in Europa (...)", kommentierte Romano Prodi. Der Kommissionspräsident sei zuversichtlich, dass der "Europäische Rat unseren Empfehlungen folgen und damit den Weg für den Abschluss der Verhandlungen zum Jahresende ebnen wird." Voraussetzung für die EU-Erweiterung ist die Ratifizierung des Nizza-Vertrags in allen EU-Ländern. Das Inkrafttreten des Vertrags hängt nur noch von einer zweiten Volksabstimmung in Irland am 19. Oktober ab.
Die Kommission will Rumänien und Bulgarien in ihrem Vorhaben unterstützen, im Jahr 2007 beizutreten. Die Türkei habe große Fortschritte erzielt, erhielt aber keinen zeitlichen Rahmen für einen EU-Beitritt, da sie die 1993 in Kopenhagen vom Europäischen Rat festgelegten politischen Kriterien noch nicht erfüllt.
Durch die Erweiterung 2004 fällt die künstliche Teilung Europas, sodass Nationen beitreten, "die gegen unseren Willen von uns ferngehalten wurden und die fest und ein für alle Mal verbindlich zu unserer Familie gehören wollen", erklärt das für die Erweiterung zuständige Kommissionsmitglied Günter Verheugen. Zu klären seien noch einige Fragen in den Bereichen Landwirtschaft, Regionalpolitik, Finanzkontrolle und Zollunion. Außerdem wird sechs Monate vor dem Beitritt ein sogenannter Monitoring-Bericht über die Entwicklung in den Kandidatenländern veröffentlicht. Allmählich kommt der geographische und politische Begriff Europa zur Deckung.
Ali Aslan Gümüsay | 13.10.2002