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7. September 2010


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Gender - Frauenzimmer und Mannsbilder ade

Frisch von der Uni zum Traumjob. Wer wäre da nicht happy. Seit zwei Jahren ist Anne, meine Freundin, erfolgreiche Texterin in einer Werbe-Agentur. Und nun schwebt sie endgültig auf Wolke sieben: sie ist schwanger. Nicht geplant, aber freudig angenommen.

Die Reaktion ihres Chefs kam so selbstverständlich eingeschwebt, daß es fast schon positiv klang: "Glückwunsch. Zu gegebener Zeit kümmern wir uns dann um Ihre Nachfolgerin". Nachfolgerin? Irritiert sitzt Anne an ihrem Schreibtisch: hat sie doch nicht studiert, um anschließend nur Babybrei anzurühren oder Blumen zu gießen. Sie will beides - Beruf und Geborgenheit einer Familie. Auch bei guter Kinderbetreuung wird das ein kräftverzehrender Spagat zwischen Büro-Stress und Spielplatz. Aber ihre Arbeit deswegen aufgeben? Alter Zopf. Das kam ihr noch nie in den Sinn.

Umgekehrt haben die Männer auch so ihre Probleme. Bleiben sie zu Hause und übernehmen Kindererziehung und Haushalt, fühlen sich die meisten von ihnen nicht genügend von der Gesellschaft anerkannt. Gerade mal 1,5 Prozent der Männer in Deutschland beantragen bei ihrem Arbeitgeber Elternzeit.

Schon immer gab es die gesellschaftliche Rollenerwartung Frau / Mann. Kulturen ohne Geschlechterrollen sind bisher nicht bekannt. Allerdings mit ständigem Wechsel. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommende Frauenbewegung, die Industrialisierung und insbesondere die beiden Weltkriege brachten, daß Frauen den bisherigen Platz verließen. Das führte zu starken Veränderungen der Möglichkeiten innerhalb der Geschlechterrollen.

1995 wurde auf der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking ein neues Ziel erarbeitet, das Konzept 'Gender Mainstreaming'. Eine neue Gleichstellungsstrategie. Mit einer Umsetzungsrichtlinie der EU wurde Gender 1998 in Kraft gesetzt.

Heute sagt man Gender statt Feminismus. Gender Studies statt Frauen- und Geschlechterforschung. Gender Mainstreaming statt Emanzipation und Gleichberechtigung.

 Mit Gender sind die gesellschaftlichen, sozialen und kulturell-geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern gemeint. Sie sind nicht biologisch vorgegeben, sondern die Rollen sind erlern- und veränderbar. Das Geschlecht ist etwas, was man tut, nicht was man hat und ist (Doing Gender). Bei allen Vorhaben sind die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von Anfang an zu berücksichtigen.

Mit diesen neuen Denkansätzen ist 2003 eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung, das 'Gender Kompetenzzentrum' an der Humboldt Universität, Berlin, eingerichtet worden. (http://www.genderkompetenz.info). Eine der Aufgaben ist, Unterstützung zu geben bei der Umsetzung der Strategie Gender Mainstreaming in der öffentlichen Verwaltung. Unterstützt wird die Implementierung von Gender Mainstreaming durch eine Datenbank. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Doch wie sieht der Alltag aus?

In Deutschland gibt es 400 Ausbildungsberufe. Die meisten Mädchen entscheiden sich aber nur zwischen zehn Berufen - Bürokauffrau, Kauffrau im Einzelhandel, Arzthelferin, Krankenschwester. Jungen wählen in einem viel breiteren Berufssprektrum aus. Sie bevorzugen gewerblich-technische Berufe.

Und an den Hochschulen und Universitäten? Auch hier geschlechtsspezifische Entscheidungen. Junge Frauen bevorzugen Fächer wie Sprachen, Pädagogik, Psychologie. Junge Männer naturwissenschaftliche und technische Fächer.

Mädchen und Frauen sehen ihren Beruf oft als 'Zuverdienst'. Sie sind eher bereit, ihre Anstellung zugunsten der Familie einzuschränken oder aufzugeben. Junge Männer stellen sich oft erst gar nicht diese Frage. Sie fühlen sich wie selbstverständlich für das Familieneinkommen zuständig.

Gender - die Geschlechterrollen sind in Bewegung. Das Ziel ist Gleichstellung.

Also - wer von beiden nimmt die Babypause? Ursula von der Leyen's Elterngeld hat der Debatte neuen Schwung gegeben. Kinder nicht als Kariereknick, sondern  Karrierekick - für Frau und Mann.

Julia Holtz  |  29.07.2006

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